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Reiseberichte

Drei Umrundungen Spitzbergens im Vergleich: Juli, August, September

3. Juni 2026 · von Leguan Reisen
Drei Umrundungen Spitzbergens im Vergleich: Juli, August, September
© Andreas Umbreit

Dreimal dieselbe Route, dieselbe Saison, dasselbe Schiff — und drei völlig verschiedene Reisen. Im Sommer 2023 umrundete ein Zwölf-Personen-Schiff Spitzbergen im Juli, Ende Juli und Ende August. Zwei fuhren im Uhrzeigersinn, eine dagegen. Der nördlichste Punkt lag zwischen 80° 01′ und 80° 29′ Nord. Nur eine erreichte das Packeis, nur eine die abgelegene Insel Hopen. Wer wissen will, was eine Umrundung Spitzbergens wirklich bedeutet — und welche Reisezeit zu ihm passt —, findet hier den Vergleich, mit Preisen und Terminen am Ende.

Was ist eine Umrundung Spitzbergens?

Eine Fahrt einmal um die Hauptinsel Spitzbergen herum — vorbei am Nordkap der Inselgruppe, durch die Hinlopenstraße oder außen um Nordaustlandet, die Ostküste hinunter und über das Südkap zurück nach Longyearbyen. Sie dauert typischerweise zehn bis vierzehn Tage und ist die anspruchsvollste Standardroute des Archipels.

Anspruchsvoll ist sie nicht wegen der Entfernung — die ist für ein Expeditionsschiff nichts Besonderes. Anspruchsvoll ist sie wegen des Eises. Der Norden und der Osten sind bis in den Sommer hinein von Meereis blockiert. Ob eine Umrundung gelingt, entscheidet sich jedes Jahr neu, und innerhalb einer Saison von Woche zu Woche.

Das ist der Grund, warum sich diese Route besser vergleichen lässt als jede andere: Drei Reisen desselben Sommers zeigen, wie stark der Zufall mitspielt — und was trotzdem verlässlich bleibt.

Karte der Umrundung Spitzbergens im Juli 2023 mit eingezeichneter Route gegen den Uhrzeigersinn
Die Route der Julireise: zuerst nach Norden, dann gegen den Uhrzeigersinn um Nordaustlandet und die Ostküste hinunter.

Drei Umrundungen im direkten Vergleich

 9.–24. Juli24. Juli – 8. Aug.23. Aug. – 7. Sep.
Richtungzuerst nach Nordenzuerst nach Südenzuerst nach Süden
Nördlichster Punkt80° 20,9′ N80° 01,2′ N80° 28,9′ N
Packeis erreichtja, bei Lågøyaneinnein
Insel Hopenneinneinja
Alkefjelletjajanein
Heleysund-Passageneinjaja
Eisbärbegegnungen111413
Walrossbegegnungen71216
Buckelwale54
SchwerpunktEis und NordenGletscher und WalrosseWissenschaft, weite Umwege

Die Tierzahlen sind Begegnungen, nicht Einzeltiere: Eine Gruppe Walrosse am Strand zählt als eine Begegnung, ebenso ein Eisbär, der eine Stunde lang beobachtet wird.

Warum die Fahrtrichtung erst kurzfristig feststeht

Der auffälligste Unterschied zwischen den drei Reisen ist nicht das Wetter, sondern die Fahrtrichtung. Sie wird nicht nach Prospekt festgelegt, sondern nach der aktuellen Eiskarte — oft erst am Abreisetag in Longyearbyen.

Die Logik dahinter ist einfach. Liegt im Norden und Osten noch Eis, fährt man zuerst nach Süden — in den Hornsund, den Storfjord, an die Ostküste von Edgeøya — und gibt dem Norden anderthalb Wochen Zeit, sich zu öffnen. Ist der Norden bereits frei, nimmt man ihn zuerst mit, solange das Wetter hält, und hebt sich den Süden für das Ende auf.

Beide Varianten haben Folgen. Wer zuerst nach Norden fährt, hat die besseren Chancen auf Packeis, weil er früh in der Reise an der Eiskante steht. Wer zuerst nach Süden fährt, sieht mehr Gletscher und Walrossliegeplätze und trifft den Norden in seiner offensten Phase an.

Packeiskante nördlich von Lågøya auf über 80 Grad Nord mit einzelnen Eisschollen im offenen Wasser
Die Eiskante bei Lågøya auf 80° 20,9′ Nord — nur die Julireise kam so weit ins Eis. Foto: Andreas Umbreit

Für Sie als Gast heißt das: Der Tagesplan, den Sie bei der Buchung lesen, ist eine Absichtserklärung. Wer Ihnen für eine Umrundung einen festen Tag-für-Tag-Ablauf garantiert, verspricht mehr, als er halten kann.

Juli, August oder September — was ändert sich?

Anfang Juli: das meiste Eis, die vollsten Vogelklippen

Im Juli liegt noch am meisten Eis im Norden. Genau deshalb erreichte die Julireise als einzige der drei das echte Packeis — bei Lågøya nördlich von Nordaustlandet, auf 80° 20,9′ Nord. Wer die Eiskante sehen will, hat im Juli die besten Karten.

Gleichzeitig sind die Vogelkolonien auf dem Höhepunkt. Alkefjellet in der Hinlopenstraße, wo zehntausende Dickschnabellummen auf bis zu 100 Meter hohen Basaltsäulen brüten, ist im Juli am eindrucksvollsten: Lärm, Geruch, ständige Bewegung. Am Fuß der Wand patrouillieren Polarfüchse und sammeln ein, was herunterfällt.

Die Tundra ist grün, aber noch nicht bunt. Die Sonne geht nicht unter. Der Nachteil: Dasselbe Eis, das die Eiskante erreichbar macht, kann die Route blockieren — im Juli ist die Umrundung am wenigsten sicher.

Ende Juli bis Anfang August: die verlässlichste Route

Das Eis hat sich zurückgezogen, die Route wird planbarer, dafür sinkt die Wahrscheinlichkeit, echtes Packeis zu sehen — die Reise Ende Juli erreichte es nicht und kam mit 80° 01,2′ Nord auch am wenigsten weit nach Norden.

Ausgeglichen wurde das durch anderes: deutlich mehr Walrosse als im Juli (zwölf statt sieben Begegnungen), die ersten Buckelwale der Saison und mehrere Gletscherfronten. Diese Reise nutzte außerdem die Heleysund-Passage zwischen Spitzbergen und Barentsøya und sparte damit gegenüber dem Weg außen um Nordaustlandet einen ganzen Tag.

Gletscherfront in Nordspitzbergen mit Treibeis im Vordergrund und Bergen im Hintergrund
Gletscherfronten sind die Konstante jeder Umrundung — sie sind unabhängig von der Eislage erreichbar. Foto: Andreas Umbreit

Ende August und September: die weitesten Umwege

Die eisfreieste Zeit — und damit die Zeit, in der die größten Abstecher möglich sind. Die Septemberreise kam mit 80° 28,9′ Nord am weitesten nach Norden und erreichte als einzige die Insel Hopen, die weit im Südosten abseits jeder normalen Umrundungsroute liegt.

Dafür fällt Alkefjellet weg: Die Lummen haben die Klippen Ende August längst verlassen, die Wand ist leer. Wer wegen der Vogelkolonien fährt, ist im September zu spät.

Was dazukommt: Die Tundra färbt sich rot und orange. Die Sonne geht wieder unter, und damit werden Nordlichter möglich — ein Argument, das im Juli schlicht nicht existiert. Und die Walrossplätze sind am verlässlichsten besetzt: sechzehn Begegnungen, mehr als doppelt so viele wie im Juli.

Die Insel Hopen im Südosten Spitzbergens taucht aus dem Nebel auf
Hopen, weit im Südosten: Von drei Umrundungen erreichte nur die späteste diese Insel. Foto: Birgit Lutz

Kurz zusammengefasst

  • Packeis und Vogelklippen → Juli
  • Planbare Route, Wale, Gletscher → Ende Juli bis Mitte August
  • Weiteste Strecke, Walrosse, Herbstfarben, Nordlicht → Ende August und September

Beides gleichzeitig gibt es nicht. Wer das Packeis will, muss die Umrundung riskieren; wer die Umrundung will, muss auf die Eiskante verzichten.

Welche Orte gehören zu einer Umrundung?

Aus den drei Reisen zusammengenommen ergibt sich die Liste dessen, was eine Umrundung überhaupt erst zugänglich macht — und was eine Kurzreise entlang der Westküste nie erreicht:

  • Alkefjellet in der Hinlopenstraße — eine Vogelklippe aus bis zu 100 Meter hohen Basaltsäulen.
  • Bråsvellbreen an Nordaustlandet — die Front der Eiskappe Austfonna, rund 160 Kilometer ununterbrochen, die längste ihrer Art auf der Nordhalbkugel.
  • Murchisonfjord mit der verlassenen Forschungsstation Kinnvika, 1957 für das Internationale Geophysikalische Jahr gebaut und wenige Jahre später aufgegeben.
  • Heleysund — eine schmale Passage mit starken Gezeitenströmungen, nur bei Stauwasser befahrbar.
  • Gråhuken mit der Hütte, in der Christiane Ritter 1934/35 überwinterte und darüber „Eine Frau erlebt die Polarnacht" schrieb.
  • Hornsund im Süden — der gletscherreichste Fjord Spitzbergens, mit einer polnischen Station, die seit 1957 ganzjährig besetzt ist.
  • Jotunkjeldene — warme Quellen im Norden mit farbigen Sinterterrassen, eine geologische Kuriosität mitten in einer Landschaft aus Geröll.
Farbige orange und grüne Sinterterrassen der warmen Quellen Jotunkjeldene in Nordspitzbergen
Die Jotunkjeldene: warme Quellen in der arktischen Wüste, mit orangen und grünen Sinterablagerungen. Foto: Andreas Umbreit

Wird die Umrundung immer geschafft?

Nein. Sie ist ein Ziel, keine Zusage — und seriöse Anbieter formulieren das auch so. Alle drei Reisen des Sommers 2023 kamen herum, aber auf sehr unterschiedlichen Wegen und mit unterschiedlichen Kompromissen.

Wenn das Eis nicht aufgeht, wird aus der Umrundung eine sehr gute Reise entlang der Westküste und in die Fjorde des Nordens: Magdalenefjord, Woodfjord, Liefdefjord, Kongsfjord. Das ist kein Verlust — es ist nur etwas anderes als das, was auf dem Prospekt steht.

Wer die Umrundung als Bedingung sieht, sollte spät in der Saison buchen: Im August und September ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten. Wer die Eiskante sehen will, muss umgekehrt früh fahren und akzeptieren, dass die Runde dann seltener zustande kommt.

Was hat sich seit 2025 geändert?

Erheblich etwas. Seit 2025 dürfen Schiffe in den Schutzgebieten Spitzbergens nur noch 43 von der norwegischen Regierung ausgewählte Landeplätze anlaufen; alle übrigen Stellen sind für den Tourismus gesperrt. Diese Plätze müssen im Frühjahr vorab gebucht werden, wodurch die Routen vor Saisonbeginn weitgehend feststehen.

Für eine Umrundung heißt das: Die grobe Route bleibt möglich, das freie Ansteuern eigener Stellen entfällt. Genau die spontanen Entscheidungen, die diese drei Reisen so unterschiedlich gemacht haben, sind heute enger begrenzt. Praktisch spüren Sie das vor allem bei schlechtem Wetter — Ausweichen auf eine geschütztere Bucht ist kaum noch möglich, Landgänge fallen häufiger ganz aus.

Was nicht betroffen ist: alles, was vom Schiff aus geschieht. Fahrten an der Eiskante, Gletscherfronten, Tierbeobachtungen vom Deck, die Passage durch den Heleysund. Die Zahlen weiter oben bleiben deshalb belastbar.

Unsere Kolumnistin Birgit Lutz, die die Septemberreise als Expeditionsleiterin führte, hat die Regeln und ihre Hintergründe ausführlich eingeordnet — nachzulesen in Neue Regeln auf Spitzbergen.

Preise, Termine und Schiffe

Die drei Reisen von 2023 fuhr die MS Cape Race mit zwölf Gästen. Sie ist inzwischen nicht mehr in Spitzbergen unterwegs, sondern in Grönland. Für Umrundungen buchbar sind derzeit diese Reisen:

ReiseDauerAbfahrtPreis ab
Spitzbergen Umrundung inkl. Nordaustlandet10 Tage17.08.20265.450 €
Spitzbergen Umrundung inkl. Nordaustlandet10 Tage26.08.20265.450 €
Rundum Spitzbergen – im Reich der Eisbären10 Tage29.06.20275.700 €
Rundum Spitzbergen – im Reich der Eisbären10 Tage06.07.20275.700 €
Rundum Spitzbergen – im Reich der Eisbären10 Tage15.07.20275.700 €

Eine Umrundung kostet damit derzeit zwischen 5.450 und 5.700 Euro für zehn Tage. Wer stattdessen ein sehr kleines Schiff mit rund zwölf Gästen sucht, zahlt mehr und fährt länger:

SchiffDauerPreis ab
MS Sjøveien11–14 Tage9.740 €
MS Stockholm11–12 Tage10.040 €
MS Balto14 Tage12.440 €

Der Aufpreis erklärt sich nicht über Komfort, sondern über die Gästezahl: Bei zwölf Personen an Bord gehen alle gemeinsam an Land, ohne Gruppeneinteilung und Wartenummern. Bei hundert Gästen wird aus jedem Landgang eine Choreografie.

Kleines Expeditionsschiff MS Cape Race vor Anker in einer Bucht in Spitzbergen
Zwölf Gäste an Bord: Die Größe entscheidet, wie eine Umrundung sich anfühlt. Foto: Andreas Umbreit

Weiterlesen

Wann in der Saison Sie fahren sollten, hängt davon ab, was Sie sehen wollen — Packeis und Vogelklippen schließen Hopen und Herbstfarben praktisch aus. Sprechen Sie uns an, wir sagen Ihnen vorher, was auf Ihrer Route realistisch ist.

Grundlage dieses Vergleichs sind die Bordaufzeichnungen dreier Umrundungen der MS Cape Race im Sommer 2023: 9.–24. Juli und 24. Juli–8. August unter Expeditionsleiter Andreas Umbreit, 23. August–7. September unter Expeditionsleiterin Birgit Lutz. Alle Positionen, Tierzahlen und Ortsangaben stammen aus diesen Aufzeichnungen. Fotos: Andreas Umbreit und Birgit Lutz. Preise und Termine Stand August 2026, Änderungen vorbehalten.

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