Aus den Logbüchern

Spitzbergen-Umrundung: zwei Logbücher, fünf Tage Abstand

Zodiac vor der Gletscherfront im Lilliehöökfjord, Spitzbergen

Im Juli 2026 sind zwei Schiffe im Abstand von fünf Tagen zur selben Reise aufgebrochen: die MS Plancius am 7. Juli, die MS Ortelius am 12. Juli. Beide sollten Spitzbergen umrunden — im Uhrzeigersinn oder gegen ihn, das entscheidet in der Arktis nicht der Katalog, sondern das Eis.

Was auf solchen Reisen tatsächlich passiert, steht selten in Prospekten. Es steht in den Bordlogbüchern, die jeden Abend von der Expeditionsleitung geschrieben werden: Position, Wetter, was gesehen wurde. Wir haben beide gelesen. Was folgt, ist daraus — und nur daraus.

Beide Schiffe kamen über den 80. Breitengrad

Die Plancius erreichte als nördlichste Position 80°40,7′ Nord. Die Ortelius, fünf Tage später gestartet, kam noch weiter: 80°48,952′ Nord bei 013°54,549′ Ost. Das sind rund 1.020 Kilometer vom Nordpol entfernt — und deutlich nördlicher, als die meisten Reisenden erwarten. Zum Vergleich: Der Nordkap liegt bei 71° Nord, Longyearbyen bei 78°. Die letzten zwei Breitengrade sind die, um die es bei einer Umrundung geht.

Die Route der Ortelius, Tag für Tag

Aufgebrochen wurde am 12. Juli in Longyearbyen bei 78°18,4′ Nord. Am zweiten Tag stand der Lilliehöökfjord im Nordwesten auf dem Programm, ein Fjord, der in einer breiten Gletscherfront endet. Am vierten Tag ging es ins Packeis — dort lag der nördlichste Punkt der Reise. Der fünfte Tag brachte Alkefjellet und Torellneset, der siebte die Burgerbukta, der achte die Colesbukta, der neunte Selmaneset und Alkhornet. Am zehnten Tag lief das Schiff über Kulkaia wieder in Longyearbyen ein.

Warum die Eisbären an der Eiskante stehen

Das Logbuch der Plancius nennt den Grund, aus dem Kurs auf das Packeis genommen wurde, unmissverständlich: um Eisbären zu finden. Denn dort, wo das Treibeis beginnt, liegen die Robben — und damit das bevorzugte Jagdgebiet der Bären. Genau deshalb ist die nördlichste Position kein sportlicher Ehrgeiz, sondern der eigentliche Zweck des Umwegs. Das heißt nicht, dass Bären nur dort vorkommen — dasselbe Logbuch verzeichnet einen weiteren an einer Inselgruppe, und auch an Küsten und Fjordufern begegnet man ihnen. Am Eisrand ist die Wahrscheinlichkeit nur am größten.

Alkefjellet und Torellneset: die zwei sicheren Bänke

Manche Orte liefern fast immer. Alkefjellet ist eine Basaltwand an der Hinlopenstraße, in der Zehntausende Dickschnabellummen brüten — man fährt mit dem Zodiac an der Felswand entlang, und der Lärm ist so beeindruckend wie der Anblick. Torellneset auf der Barentsøya ist eine der verlässlichen Walrosskolonien der Inselgruppe. Beide standen bei der Ortelius am selben Tag im Logbuch, dem fünften.

Und dann war da ein Blauwal

Im Logbuch der Ortelius steht ein Satz, der beiläufig wirkt und es nicht ist: Ein Blauwal tauchte auf. Das größte Tier, das je auf diesem Planeten gelebt hat, gesichtet von einem Expeditionsschiff vor Spitzbergen. Solche Begegnungen lassen sich nicht planen und nicht versprechen — sie stehen im Logbuch oder eben nicht. In diesem stehen sie.

Was zwei Logbücher über Planbarkeit verraten

Fünf Tage Abstand, dieselbe Route, unterschiedliche Ergebnisse: Die Ortelius kam acht Bogenminuten weiter nach Norden als die Plancius. Das ist kein Zufall und kein Verdienst der Besatzung, sondern die Eislage. Wer eine Umrundung bucht, bucht eine Absicht, keine Garantie — und genau darin liegt der Unterschied zu einer Kreuzfahrt mit festem Hafenplan. Die ehrlichste Auskunft, die wir geben können, ist deshalb nicht ein Versprechen, sondern ein Logbuch.

Häufige Fragen

Wie weit nördlich kommt man bei einer Spitzbergen-Umrundung?

Das hängt vom Eis ab, nicht vom Fahrplan. Zwei Umrundungen im Juli 2026 kamen auf 80°40,7′ Nord (MS Plancius, Abfahrt 7. Juli) und 80°48,952′ Nord (MS Ortelius, Abfahrt 12. Juli) — beide also deutlich über den 80. Breitengrad und damit rund 1.020 Kilometer vom Nordpol entfernt. Zum Einordnen: Longyearbyen, der Ausgangshafen, liegt bei 78° Nord. Die nördlichste Position ist dabei kein Selbstzweck: Am Rand des Packeises liegen die Robben und damit das Jagdgebiet der Eisbären.

Wie lange dauert eine Umrundung von Spitzbergen?

Zehn Tage von Longyearbyen nach Longyearbyen, so steht es im Logbuch der MS Ortelius vom Juli 2026: Abfahrt am 12. Juli, Rückkehr am 21. Juli. Dazwischen lagen der Lilliehöökfjord im Nordwesten, mehrere Tage im und am Packeis, die Vogelfelsen von Alkefjellet, die Walrosskolonie Torellneset, die Burgerbukta und die Colesbukta. Kürzere Reisen führen meist nur nach Nordspitzbergen und zurück — die vollständige Umrundung braucht diese Zeit, weil der Osten der Inselgruppe nur bei günstiger Eislage passierbar ist.

Wann kann man Spitzbergen umrunden?

In der Regel von Juli bis Anfang September. Davor liegt der Osten der Inselgruppe meist noch unter Eis, und die Hinlopenstraße ist nicht durchgängig befahrbar. Deshalb sind Reisen im Mai und Juni fast immer Nordspitzbergen-Routen, während die Umrundung im Hochsommer stattfindet. Eine Garantie gibt es auch dann nicht: Die beiden hier ausgewerteten Umrundungen fanden Mitte Juli statt und erreichten unterschiedlich weit nördliche Positionen — bei fünf Tagen Abstand auf derselben Route.

Wie stehen die Chancen, in Spitzbergen einen Eisbären zu sehen?

Wir nennen dazu bewusst keine Prozentzahl, weil sie niemand seriös angeben kann. Was wir nennen können, sind die Logbücher: Auf der Umrundung der MS Plancius im Juli 2026 wurden mehrere Eisbären gesichtet — einer von der Expeditionsleitung an der Eiskante entdeckt, ein weiterer an einer Inselgruppe. Auch das Logbuch der MS Ortelius nennt Eisbären. Genau diese zwei Fundorte zeigen das Wesentliche: Bären begegnet man nicht nur im Packeis. Sie streifen über Küsten, Inseln und Fjordufer, und Sichtungen gelingen ebenso vom Fjord aus. Am Eisrand ist die Wahrscheinlichkeit allerdings am höchsten, weil dort die Robben liegen — deshalb nehmen Umrundungen den Weg nach Norden. Wer eine Reise wählt, die das Eis erreicht, erhöht seine Chancen; ausgeschlossen ist eine Begegnung anderswo nie.

Sieht man auf einer Spitzbergen-Reise Wale?

Ja, wobei die Arten stark variieren. Im Logbuch der MS Ortelius vom Juli 2026 ist eine Blauwal-Sichtung vermerkt — das größte Tier der Erdgeschichte, und eine Begegnung, die auch erfahrene Expeditionsleiter nicht als selbstverständlich behandeln. Häufiger sind Finnwale, Weißwale und Bartenwale in den Fjorden. Planbar ist keine dieser Sichtungen; sie stehen im Logbuch oder eben nicht.

Umrundungen und Nordspitzbergen-Reisen

Diese Expeditionen fahren die hier beschriebene Route — mit denselben Schiffen, deren Logbücher wir ausgewertet haben.

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Alle Angaben auf dieser Seite stammen aus den Bordlogbüchern der MS Plancius (Abfahrt 7. Juli 2026) und der MS Ortelius (Abfahrt 12. Juli 2026), geführt von der jeweiligen Expeditionsleitung. Positionen, Orte und Sichtungen sind unverändert übernommen. Wo die Logbücher keine Angabe machen, steht hier keine.
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