Aus den Logbüchern

Die große Grönland-Querung: 21 Tage im Logbuch

Zodiac neben einem Eisberg an Grönlands Ostküste

Es gibt eine Reise, die Grönland nicht besucht, sondern durchmisst: von Spitzbergen über das Packeis an der Nordostküste, durch den größten Nationalpark der Erde, in das größte Fjordsystem der Welt und weiter die Ostküste hinunter bis zu den Wikingerruinen im Süden. Einundzwanzig Tage, achtzehn Breitengrade.

Wir haben das Bordlogbuch einer solchen Fahrt ausgewertet — die MS Plancius vom 13. August bis 2. September 2025. Eine Besonderheit dabei: Dieses Logbuch wurde auf Deutsch geführt, weil eine deutsche Expeditionsguide an Bord war. Die Beobachtungen sind also im Original und nicht übersetzt.

Die Packeisgrenze kam früher als geplant

Nach einem Seetag über die Grönlandsee erreichte das Schiff am dritten Tag bei 76°26,1′ Nord die Packeisgrenze — und zwar schneller als erwartet. Im Logbuch steht der Grund: ruhige See und eine unterstützende Strömung, die die Plancius zügiger nach Westen trugen als kalkuliert. Dazu kam die Zeitverschiebung, die eine zusätzliche Stunde Schlaf schenkte. Bei zwei Grad und bewölktem Himmel stand das Schiff am Rand des Eises, und der Tag brachte, was man an dieser Kante sucht: Eisbären.

Das Teufelsschloss im Kaiser-Franz-Joseph-Fjord

Über Nacht erreichte das Schiff einen der spektakulärsten Fjorde Nordostgrönlands. Am Morgen des fünften Tages standen viele Gäste schon vor dem Weckruf an Deck — wegen des Teufelsschlosses, einer Felsformation aus farbig geschichtetem Gestein, die hoch über dem Fjord aufragt. Bei spiegelglatter See und vier Grad folgte die Anlandung in Blomsterbugten, der Blumenbucht. Niedrige Wolken und leichter Nieselregen empfingen die Gruppen; das Logbuch hält fest, dass das niemanden abhielt, vom gemütlichen Spaziergänger bis zum Bergsteiger.

Alpefjord: wo zwei Gletscher sich vereinen

Der sechste Tag brachte klaren Himmel und eine Zodiac-Fahrt in den Alpefjord. Die Eiswand, auf die die Boote zufuhren, wird von zwei Gletschern gebildet — dem Gully-Gletscher und dem Sefström-Gletscher, die sich etwas oberhalb vereinen. Je tiefer die Zodiacs in den Fjord fuhren, desto zerklüfteter wurde die Front. Trotz Sonnenschein wehte ein kräftiger Wind, weshalb allen geraten wurde, eine zusätzliche Kleidungsschicht anzuziehen — ein Detail, das mehr über arktisches Wetter sagt als jede Klimatabelle.

Die Bäreninseln und ein Schuss aus dem Jahr 1891

Am zehnten Tag lag das Schiff bei den Bäreninseln, auf Grönländisch Nannut Qeqertaat. Ihren Namen tragen sie, weil während der ostgrönländischen Expedition unter Carl Ryder in den Jahren 1891 und 1892 hier ein Eisbär geschossen wurde. Die Inseln selbst wurden, wie das Logbuch mit einer Spur Ironie vermerkt, „sehr kreativ" mit den römischen Ziffern I bis XI benannt. Bei spiegelglatter See und sieben Grad bildeten die Berge dahinter die Kulisse.

Vier Zodiacs auf Eisbärensuche im Rømerfjord

Der zwölfte Tag zeigt, wie eine Expeditionsleitung arbeitet. Das Schiff war in den Rømerfjord südlich des Scoresbysunds eingelaufen, der Tag war bedeckt, ein leichter Wind wehte, zwei Grad. Statt abzuwarten, rückte das Team früh mit vier Zodiacs aus und suchte den Fjord systematisch nach Eisbären ab — und wurde fündig. Solche Sichtungen stehen in keinem Reiseprogramm, weil sie sich nicht planen lassen; sie entstehen daraus, dass jemand vor dem Frühstück losfährt und sucht.

In den Fußstapfen von Fridtjof Nansen

Zwei Tage der Reise tragen den Namen desselben Mannes. Der Nansen Fjord, benannt nach dem norwegischen Polarforscher, Wissenschaftler und Diplomaten, empfing die Gäste am dreizehnten Tag in dichtem Nebel und mystischer Stille, flankiert von Bergen, die schroff aus dem Meer aufragen. Am fünfzehnten Tag folgte die Nansen-Bucht bei Umiivik — der Ort, an dem Nansen 1888 zur ersten Durchquerung des grönländischen Inlandeises aufbrach. Im Logbuch heißt es, man sei buchstäblich in seine Fußstapfen getreten.

Prins Christian Sund: für das Schiff selbst Neuland

Der achtzehnte Tag brachte eine Passage, die auch für die Plancius neu war. Der Kapitän lief den langen, schmalen Fjord im Morgengrauen an, um die Navigationsinstrumente der Brücke durch das zu ergänzen, was das Logbuch die „unschätzbar wertvolle Kraft des Sehvermögens" nennt. Der Prins Christian Sund trennt die Südspitze Grönlands vom Festland und ist rund hundert Kilometer lang — eine Wasserstraße zwischen Steilwänden, die nur bei günstigen Eisverhältnissen befahrbar ist.

Die letzten Tage: Lichtenau, heiße Quellen, Brattahlíð

Am neunzehnten Tag näherte sich das Schiff Alluitsoq, das früher Lichtenau hieß und als Missionsstation der Herrnhuter Brüdergemeine gegründet wurde. Man hatte den Gästen gesagt, der Ort könne völlig verlassen sein — dann sahen sie elektrische Lichter und fragten sich, ob das schon Lichtenau war. Es folgten die heißen Quellen von Unnartoq und am zwanzigsten Tag Igaliku und Qassiarsuk, in den Sagas Brattahlíð, der Hof von Erik dem Roten. Das Wetter machte diesen Tag mit einem Wort beschreibbar, wie das Logbuch schreibt: Regen. Expeditionsleiterin Pippa hatte ihn am Vorabend angekündigt; nach drei Wochen gutem Wetter wollte es niemand glauben.

Achtzehn Breitengrade, zwischen einem und zehn Grad

Zwischen Longyearbyen auf 78°16′ Nord und Narsarsuaq auf 60°57′ Nord liegen mehr als siebzehn Breitengrade — Luftlinie etwa die Strecke von Nordnorwegen bis Sizilien. Die Temperaturen bewegten sich dabei zwischen einem Grad an der Packeiskante und bei Timmiarmiit Ø und zehn Grad im Rypefjord. Wer eine solche Reise bucht, erlebt nicht eine Region, sondern den Übergang von der Hocharktis in die subarktische Kulturlandschaft Südgrönlands, mit Schafweiden und Kirchenruinen.

Wer diese Route fährt und was sie kostet

Vollständige Querungen dieser Länge sind selten und werden meist nur einmal im Jahr angeboten, weil sie eine Einwegreise über zwei Länder darstellen und das Schiff anschließend zurückverlegt werden muss. In unserem Programm findet sich unter anderem die achtzehntägige „Ultimative Grönland-Expedition" mit der MS Cape Race — durchgehend deutschsprachig — ab rund 14.000 Euro. Kürzere Abschnitte derselben Route lassen sich einzeln buchen: Spitzbergen–Nordostgrönland ab etwa 6.800 Euro, Scoresbysund ab rund 5.700 Euro, Südgrönland ab 9.350 Euro.

Häufige Fragen

Kann man Grönland von Nord nach Süd durchfahren?

Ja, aber nur wenige Reisen tun es. Die hier ausgewertete Fahrt der MS Plancius führte in einundzwanzig Tagen von Longyearbyen auf Spitzbergen bis Narsarsuaq in Südgrönland und legte dabei mehr als siebzehn Breitengrade zurück. Sie berührte die Packeisgrenze auf 76° Nord, den Nordost-Grönland-Nationalpark, den Scoresbysund, die Südostküste und schließlich die Wikingersiedlungen im Süden. Solche Querungen werden meist nur einmal im Jahr angeboten, weil sie Einwegreisen über zwei Länder sind.

Wie lange dauert eine große Grönland-Expedition?

Die vollständige Querung von Spitzbergen bis Südgrönland dauerte auf dieser Reise einundzwanzig Tage. Kürzere Abschnitte lassen sich einzeln buchen: die Überfahrt Spitzbergen–Nordostgrönland in vierzehn bis zwanzig Tagen, eine reine Scoresbysund-Reise in zehn bis vierzehn Tagen, Südgrönland in elf bis achtzehn Tagen. Wer alles sehen will, braucht die volle Länge — die Regionen liegen zu weit auseinander, um sie zu kombinieren.

Wie warm wird es auf einer Grönland-Expedition?

Auf dieser Reise lagen die Mittagswerte zwischen einem und zehn Grad. Ein Grad wurde zweimal gemessen: an der Packeiskante bei Myggbukta im Norden und bei Timmiarmiit Ø im Südosten. Der wärmste Wert waren zehn Grad im Rypefjord im Scoresbysund. Auffällig ist, dass die Temperatur weniger von der geografischen Breite abhing als vom Wetter des jeweiligen Tages — es wurde im Norden nicht durchgängig kälter als im Süden.

Sieht man auf so einer Reise Eisbären?

Auf dieser Fahrt mehrfach. Das Logbuch verzeichnet Sichtungen an der Packeisgrenze auf 76°26′ Nord am dritten Tag und im Rømerfjord am zwölften, wo das Expeditionsteam frühmorgens mit vier Zodiacs ausrückte, um den Fjord systematisch abzusuchen — und fündig wurde. Eine Garantie gibt es nicht; wer gezielt wegen Eisbären reist, hat in Spitzbergen die besseren Chancen. Auf einer Route dieser Länge steigt die Wahrscheinlichkeit allerdings deutlich, weil viele verschiedene Reviere befahren werden.

Was ist das Teufelsschloss in Grönland?

Eine markante Felsformation im Kaiser-Franz-Joseph-Fjord an der Nordostküste, aufgebaut aus farbig geschichtetem Sedimentgestein, das steil über dem Fjord aufragt. Sie gehört zu den bekanntesten Landmarken Nordostgrönlands. Im Logbuch dieser Reise steht, dass viele Gäste am fünften Tag schon vor dem Weckruf an Deck standen, um sie und die umliegenden Felsschichten zu sehen — bei spiegelglatter See und vier Grad.

Was ist der Prins Christian Sund?

Eine rund hundert Kilometer lange, schmale Wasserstraße, die die Südspitze Grönlands vom Festland trennt und zwischen steilen Wänden verläuft. Sie ist nur bei günstigen Eisverhältnissen befahrbar. Für die MS Plancius war die Passage auf dieser Reise nach Angabe des Logbuchs völlig neues Gebiet — der Kapitän lief den Fjord im Morgengrauen an, um zusätzlich zu den Navigationsinstrumenten auf Sicht fahren zu können.

Welche historischen Orte liegen auf dieser Route?

Mehrere, und sie decken tausend Jahre ab. Im Süden Qassiarsuk, in den Sagas Brattahlíð, der Hof von Erik dem Roten, und Herjolfsnes mit den Resten einer Kirche aus dem 10. Jahrhundert. Alluitsoq, früher Lichtenau, war eine Missionsstation der Herrnhuter Brüdergemeine. Im Südosten liegt bei Umiivik die Nansen-Bucht, von der aus Fridtjof Nansen 1888 zur ersten Durchquerung des grönländischen Inlandeises aufbrach. Und die Bäreninseln tragen ihren Namen von einem Eisbären, der während der Carl-Ryder-Expedition 1891/92 dort erlegt wurde.

Gibt es deutschsprachige Begleitung auf Grönland-Expeditionen?

Auf dieser Reise war eine deutsche Expeditionsguide an Bord, und das Bordlogbuch wurde auf Deutsch geführt. Das ist allerdings nicht die Regel — die meisten Expeditionsschiffe in Grönland fahren auf Englisch. Durchgehend deutschsprachig unterwegs ist die MS Cape Race, die mehrere Routen im Revier anbietet, darunter die achtzehntägige „Ultimative Grönland-Expedition". Bei den übrigen Schiffen lohnt die Nachfrage, ob deutschsprachige Begleitung für den jeweiligen Termin eingeplant ist.

Was kostet eine große Grönland-Expedition?

Die achtzehntägige „Ultimative Grönland-Expedition" mit der deutschsprachigen MS Cape Race liegt bei rund 14.000 Euro pro Person. Wer einzelne Abschnitte bucht, kommt günstiger weg: Spitzbergen–Nordostgrönland ab etwa 6.800 Euro, eine Scoresbysund-Reise ab rund 5.700 Euro, Südgrönland ab 9.350 Euro. Zu bedenken ist bei allen Querungen, dass Anreise und Abreise über verschiedene Länder erfolgen und entsprechend geplant werden müssen.

Wann ist die beste Zeit für eine Grönland-Querung?

August und die erste Septemberhälfte. Diese Reise startete Mitte August in Spitzbergen und endete Anfang September in Südgrönland — beides zur jeweils günstigsten Zeit: Im Norden ist die Eiskante dann am weitesten zurückgewichen, im Süden hat die Herbstfärbung noch nicht eingesetzt und die Fjorde sind eisfrei. In unserem Programm liegen die meisten Grönland-Abfahrten entsprechend im August.

Reisen entlang dieser Route

Die vollständige Querung wird selten angeboten — diese Expeditionen fahren einzelne Abschnitte der hier beschriebenen Strecke.

MS PLANCIUS Ostgrönland, Scoresby Sund, einschließlich langer Wanderungen 10 Tage · ab 7.900 € MS Sea Spirit Nordlichter im Scoresbysund: Ostgrönland | MS SEA SPIRIT 11 Tage · ab 5.667 € MS Sea Spirit Nordlichter im Scoresbysund: Ostgrönland | MS SEA SPIRIT 11 Tage · ab 5.667 € MS PLANCIUS Ostgrönland, Scoresby Sund, einschließlich langer Wanderungen 10 Tage · ab 5.244 € SV REMBRANDT VAN RIJN Ostgrönland, Scoresby Sund - Polarlichter, Fliegen und Segeln 11 Tage · ab 5.750 € SV REMBRANDT VAN RIJN Ostgrönland – Scoresby Sund – Island , Aurora Borealis, Fly & Sail 12 Tage · ab 5.800 €

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Alle Beobachtungen stammen aus dem Bordlogbuch der MS Plancius (PLA11-25), 13. August bis 2. September 2025, Longyearbyen–Narsarsuaq, geführt von der Expeditionsleitung. Das Logbuch wurde auf Deutsch verfasst; Positionen, Wetterdaten, Namen und Sichtungen sind unverändert übernommen.
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