Kleine Schiffe auf Spitzbergen: was seit 2025 anders ist
Im Juni 2023 fuhr ein kleines Expeditionsschiff bei Prins Karls Forland über eine Untiefe, die größere Schiffe weiträumig umfahren müssen. Der Kapitän ließ die Gäste raten, wie viel Wasser unter dem Kiel bleiben würde. Es waren 67 Zentimeter. Genau diese Art zu reisen gibt es auf Spitzbergen seit 2025 so nicht mehr — und der Grund ist nicht das Wetter.
Was seit 2025 auf Spitzbergen gilt
Die norwegische Regierung hat den Schiffstourismus neu geregelt. Die weitreichendste Änderung: In den Schutzgebieten, die einen großen Teil der Landfläche ausmachen, bleiben 43 von der Regierung ausgewählte Landeplätze übrig. Alle anderen Stellen sind für den Tourismus gesperrt.
Diese Plätze müssen im Frühjahr vorab gebucht werden. Damit stehen die Reiserouten fest, bevor die Saison beginnt. Wer früher bei zu viel Welle einfach ein Stück weiter anlandete, kann das heute nicht mehr.
Unsere Kolumnistin Birgit Lutz hat die Regeln und ihre Hintergründe ausführlich eingeordnet — nachzulesen in Neue Regeln auf Spitzbergen.
Warum die Regel gerade kleine Schiffe trifft
Weil deren Vorteil genau darin bestand, nicht auf Standardplätze angewiesen zu sein. Ein Schiff mit zwölf Gästen konnte Orte ansteuern, an denen sonst niemand war, und dabei sehr genau steuern, wohin jeder Einzelne tritt.
Für größere Expeditionsschiffe mit 100 bis 200 Gästen ändert sich vergleichsweise wenig — sie liefen ohnehin überwiegend die bekannten Plätze an. Einige kleine Schiffe haben Spitzbergen daraufhin aus dem Programm genommen, darunter das Segelschiff Antigua.
Wie frei fuhren kleine Schiffe vorher?
Eine Reise im Juni 2023 zeigt es an drei Stellen sehr konkret.
Die Untiefe. Auf dem Weg zum Trocaderostrand passierte das Schiff eine Flachstelle, die nur Schiffe mit geringem Tiefgang überfahren können — alle größeren müssen außen herum. Unter dem Kiel blieben an diesem Tag 67 Zentimeter.
Die seltene Anlandung. An der Westküste von Prins Karls Forland ist ein Landgang selten möglich; westliche Winde und Seegang aus dem Nordatlantik verhindern ihn meist. An diesem Tag lag die See glatt wie eine Badewanne, und die Gruppe ging an Land — auf einer Ebene, auf der sie Rentiere, Eisbärenspuren und später drei spielende Walrosse sah.
Die freie Wahl. Als eine geplante Anlandung an Sarstangen wegen Nordwind und hoher Wellen ausfiel, fuhr das Schiff einfach ein anderes Ziel an. Genau dieser Ausweg ist seit 2025 versperrt.
Was bleibt der Vorteil eines kleinen Schiffes?
Einiges — nur eben innerhalb eines engeren Rahmens:
- Zugang, wo Größe hinderlich ist. In den Magdalenefjord dürfen große Kreuzfahrtschiffe wegen des Schwerölverbots ohnehin nicht mehr einfahren. Ein Vorteil, der kleinen Schiffen in den Schoß fällt.
- Keine Gruppeneinteilung. Bei zwölf Gästen gehen alle gemeinsam an Land, ohne Wellen und Wartenummern.
- Beweglichkeit im Tagesablauf. Vor dem Smeerenburgbreen stellte die Crew die Motoren ab und ließ das Schiff im Eis treiben — bis man aufbrechen musste, bevor das Eis es einschloss.
- Nähe zur Crew. Führung durch den Maschinenraum, Wissenschaft an Deck, Sauna an Bord.
Welche kleinen Schiffe fahren dort heute?
Die MS Cape Race, mit der die Reise von 2023 stattfand, ist derzeit nicht mehr in Spitzbergen unterwegs — sie fährt in Grönland. Vergleichbar klein und für dieselbe Reiseform gebaut sind drei andere Schiffe, die wir dort anbieten:
| Schiff | Dauer | Preis ab |
|---|---|---|
| MS Balto | 14 Tage | 12.440 € |
| MS Stockholm | 11–12 Tage | 10.040 € |
| MS Sjøveien | 11–14 Tage | 9.740 € |
Lohnt sich ein kleines Schiff trotz der neuen Regeln?
Wenn Sie erwarten, an unberührten Stellen anzulanden, an denen sonst niemand war: Das ist nicht mehr die Realität. Wenn Sie eine kleine Gruppe, kurze Wege und Zeit an einzelnen Orten suchen: ja, unverändert.
Was Sie einplanen sollten: Landgänge fallen häufiger aus als früher, weil Ausweichen kaum noch möglich ist. Dafür bleibt mehr Zeit an Bord — was auf einem Schiff mit zwölf Gästen etwas anderes bedeutet als auf einem mit zweihundert.
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Welches der kleinen Schiffe zu Ihnen passt, klären wir vorher in Ruhe — sprechen Sie uns an.
Grundlage der Schilderungen von 2023 ist das Bordbuch der MS Cape Race zur Reise „Arktischer Frühling – Spitzbergen Kreuzfahrt mit Schneeschuhwandern" vom 2. bis 9. Juni 2023. Kapitän: Ismael Ramonde Beltran. Expeditionsleiter: Andreas Umbreit. Aufgezeichnet von Steffi Liller. Die Einordnung der seit 2025 geltenden Regeln stammt aus der Kolumne von Birgit Lutz.