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Notizen aus dem Eis

Notizen aus dem Eis 132 | Auf der Suche nach guten Nachrichten

23. April 2026 · von Birgit Lutz
Notizen aus dem Eis 132 | Auf der Suche nach guten Nachrichten

Polarkolumne von Birgit Lutz

Man möchte ja gerne mal was Positives vermelden, wenn es ums Klima geht und die Erderwärmung und das Eis sowieso. Aber das wird immer schwieriger: Im März, wenn das arktische Meereis alljährlich seine größte Fläche erreicht, wurde jetzt so wenig Eis wie noch nie gemessen.

 

14,33 Millionen Quadratkilometer, das ist die Zahl, die verschiedene Institute nun gemeldet haben, die sich mit der Vermessung des Meereises beschäftigen. Wann das Maximum genau erreicht ist, weiß man jedes Jahr erst im Rückblick, nämlich dann, wenn die Fläche wieder abzunehmen beginnt. Irgendwann im März liegt dieser Moment, 2025 war es am 22.

 

Dass es dieses Jahr einen neuen Negativrekord gibt – man mag das Wort ja wirklich gar nicht – ist nicht überraschend: Schon im Februar war so wenig Eis wie nie gemessen worden, und viel zu warm war es auch, sowohl im globalen Durchschnitt als auch an den Polen: Der Februar 2025 war global der bisher drittwärmste Februarmonat. Schaut man sich an, um wieviel wärmer es geworden ist, hängt es davon ab, was man als Referenz nimmt: Nimmt man die Normalperiode 1991–2020, lagen die Temperaturen um 0,63 °C höher. Nimmt man aber das Niveau der vorindustriellen Jahre 1850 – 1900, so ist der Februar 2025 der 19. Monat in einem 20-monatigen Zeitraum, in dem die Temperatur um 1,5 °C höher als damals liegt.

 

Neben den gestiegenen Durchschnittstemperaturen gibt es auch interessante gewaltige lokale Ausschläge nach oben: Im Norden Grönlands steht es eine Wetterstation am Cape Morris Jesup, dort werden im Februar durchschnittlich minus 26,4 Grad gemessen. Anfang Februar 2025 kletterten die Temperaturen aber auf einmal sogar in den Plusbereich: 1,3 Grad Celsius zeigte das Thermometer am 2. Februar. Eine außergewöhnliche Messung: In den 44 Jahren zuvor wurden bisher nur viermal überhaupt Plusgrade gemessen. Plusgrade wurden am gleichen Tag sogar in der Nähe des Nordpols gemessen: 0,5 °C meldete dort eine Schneeboje.

 

Kein Wunder also, dass das arktische Meereismaximum in diesem Jahr ein sehr kleines ist. Es liegt 1,32 Millionen Quadratkilometer unter dem Jahresmittel von 1981-2010, und ist nochmal ein ganzes Stück kleiner als die bisher kleinste Ausdehnung des Jahres 2017 mit 14,41 Millionen Quadratkilometer.

 

So viele Zahlen. Hängen bleiben muss: Das Eis wird stetig immer weniger, daran hat sich nichts geändert. Das ist nicht gut, denn damit gibt es schon zu Anfang des Sommers weniger Eis, als früher noch in der Mitte des Sommers vorhanden war.

 

Und: In der Antarktis sieht es auch nicht viel besser aus. Wenn auf der Nordhalbkugel das Eismaximum heranwächst, schmilzt gleichzeitig ja im Süden das Eis im dortigen Sommer. Und das tat es im vergangenen südlichen Sommer ausgiebig: Das antarktische Meereis hat zwar keinen Rekord gebrochen, aber den zweitniedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen erreicht. Und weil das so ist, gibt es also doch noch einen zweiten neuen Negativrekord: Noch nie hat es global so wenig Meereis gegeben, die gesamte globale Meereisfläche ist etwa 2,5 Millionen Quadratkilometer kleiner als das Jahresmittel von 1981 bis 2010. Seufz.

 

Das Dumme am Meereis ist: Je weniger es gibt, umso wärmer wird es und umso weiter schmilzt das Eis. Das ist dieser Teufelskreis, einer jener sich selbst verstärkenden Effekte der Erderwärmung. Denn das Meereis ist Teil unserer Klimaanlage: Das helle Eis reflektiert sehr viel Sonnenenergie und damit Wärme. Schmilzt das Eis aber und macht Platz für dunkles Wasser, absorbiert dieses Wasser nun deutlich mehr Wärme. So, wie es im Sommer unter einem schwarzen Hut heißer ist als unter einem weißen. Wenn sich die Erde nun zunehmend dunklere Polkappen (ha,ha) aufsetzt, dann wird es auch der Erde darunter immer wärmer. Und 2030 könnte der nordische Hut dann endgültig schwarz – und der Nordpol im Sommer eisfrei sein.

 

Das sind keine guten Nachrichten. Die gute Nachricht beim Meereis ist aber, dass das Meereis relativ schnell wieder wachsen könnte, würde es kühler werden. Während der Entstehungsprozess von Gletschern ein sehr langer und langsamer ist und über einen langen Zeitraum kühle Temperaturen benötigt, muss es beim Meereis einfach nur richtig kalt werden, und schon kann es wieder da sein. Das Meereis könnte sich also viel schneller erholen als die Gletscher und Eisschilde.

 

2025 wird glücklicherweise von dem Wetterphänomen El Nina beeinflusst, das die Temperaturen etwas senkt. Vielleicht hilft El Nina dabei, dass aus dem rekordkleinen Maximum nicht noch ein rekordkleines Minimum wird.

 

Denn irgendetwas Positives möchte man ja schon noch mal vermelden.

 

Wir lesen uns im Mai!

 

Eure

Birgit Lutz




Von der Leguan-Redaktion

Meereis und Erderwärmung – die häufigsten Fragen

Die Zahlen stammen aus der Kolumne von Birgit Lutz und beziehen sich auf das Meereis-Maximum 2025.

Wie klein war das arktische Meereis-Maximum 2025?

14,33 Millionen Quadratkilometer – so wenig wie noch nie gemessen. Das Maximum wurde am 22. März erreicht. Es liegt 1,32 Millionen Quadratkilometer unter dem Jahresmittel von 1981 bis 2010 und noch einmal deutlich unter der bis dahin kleinsten Ausdehnung von 2017 mit 14,41 Millionen Quadratkilometern.

Wie warm war es in der Arktis?

Ungewöhnlich warm. An der Wetterstation Cape Morris Jesup im Norden Grönlands werden im Februar durchschnittlich minus 26,4 Grad gemessen. Am 2. Februar 2025 zeigte das Thermometer dort 1,3 Grad plus – in den 44 Jahren zuvor wurden überhaupt nur viermal Plusgrade gemessen. Am selben Tag meldete eine Schneeboje nahe dem Nordpol 0,5 Grad.

Wie steht es global um das Meereis?

Es gab einen zweiten Negativrekord: Noch nie gab es global so wenig Meereis. Die gesamte globale Meereisfläche liegt etwa 2,5 Millionen Quadratkilometer unter dem Jahresmittel von 1981 bis 2010. Das antarktische Meereis erreichte im südlichen Sommer den zweitniedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen.

Warum verstärkt sich die Schmelze selbst?

Weil helles Eis viel Sonnenenergie reflektiert. Schmilzt es und macht Platz für dunkles Wasser, nimmt dieses deutlich mehr Wärme auf – so wie es unter einem schwarzen Hut heißer ist als unter einem weißen. Je weniger Eis, desto wärmer, desto weniger Eis.

Gibt es auch gute Nachrichten?

Eine: Meereis kann sich vergleichsweise schnell erholen. Während Gletscher über lange Zeiträume kühle Temperaturen brauchen, um zu entstehen, muss es beim Meereis einfach nur richtig kalt werden. Es könnte sich also viel schneller regenerieren als Gletscher und Eisschilde.

Wann könnte der Nordpol im Sommer eisfrei sein?

Möglicherweise ab 2030. Sicher ist das nicht – aber der Trend zeigt seit Jahrzehnten in diese Richtung.

Wo Sie das Eis mit uns erleben können

Wie weit ein Schiff nach Norden kommt, hängt von Saison, Eislage und Eisklasse ab.

Welche Route zu Ihnen passt, hängt von Reisezeit, Schiffsgröße und Ihrem Schwerpunkt ab. Sprechen Sie uns an – wir beraten Sie persönlich.

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